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Rezensionen

[ Archiv ] Kategorie:
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Tonträger: 08.02.2010, 09:30 Uhr
Johann Praetorius, Organ Works
Johann Praetorius, Organ Works, Friedhelm Flamme, Orgel der Peter- und-Paul-Kirche des Klostergutes Holthausen bei Büren (1764), cpo 777 344-3, p 2009

Das 2007 durch Joachim Stade, Orgelbau Waltershausen, restaurierte Instrument im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Holthausen/Westfalen, besitzt zwar nur sieben Stimmen auf einem Manual und angehängtem Pedal - nur das Gedackt, ein Teil der chromatischen Bohlenlade, das Gehäuse und die Spielanlage sind dabei wirklich alt - aber was zu hören ist, ist nicht nur sehr abwechslungsreich und farbig, das Werk besitzt auch einen ungemein reizvollen Klang und wird von Friedhelm Flamme optimal vorgeführt. Zwar ist das eingespielte Repertoire durchaus fragwürdig dem genannten Komponisten zuzuordnen, aber gute Musik ist es allemal. So schwimmt denn auch der Booklettext bei der Erklärung der Werke erheblich, die Vorstellung der Orgel aber ist wenn auch knapp, aber dennoch sehr befriedigend, dazu gehört auch die Wiedergabe der Registrierungen. Der Klang der Orgel aber beweist, auf welchem Niveau heutiger deutscher Orgelbau inzwischen angekommen ist, Hut ab und Zuhören!

Rainer Goede

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Noten: 08.02.2010, 09:30 Uhr
Samuel Scheidt, Drey schöne Dinge sind, SSWW 370
Samuel Scheidt, Drey schöne Dinge sind, SSWW 370, Hg. Hendrik Dochhorn, GK-Edition Hamburg-Altona 2009, Altonaer Scheidt-Ausgabe, Heft 19, ohne ISBN

Was ist ein Madrigal? Der Herausgeber beschäftigt sich im Vorwort seiner Ausgabe zu „Drey schöne Dinge sind“; SSWW 370, ausführlich mit dieser Frage und erhellt die Begrifflichkeit des 17. Jahrhunderts, so weit das möglich ist. Die erste vollständige Ausgabe dieses keiner Sammlung zugehörigen Geistlichen Madrigals zu fünf Stimmen mit Generalbass aus dem Jahr 1641 beinhaltet außerdem als Faksinile das Titelblatt aus der Marienbibliothek Halle, den Kritischen Bericht, ein Abkürzungs- und ein Literaturverzeichnis. 5 Chorpartituren werden mit der Ausgabe mitgeliefert. Stimmauszüge für die Ausführung mit Instrumenten sind gesondert erhältlich. Die Generalbassstimme ist nicht ausgesetzt, so dass der Spieler hier nach eigenem Gusto verfahren kann. Der Satz ist zwar etwas klein, aber immer noch gut lesbar. Die zweiteilige Komposition mit durchaus virtuose Passagen bietet etliche reizvolle Momente. Damit steht einschlägigen Ensembles ein neues anziehendes Stück zur Verfügung.

Rainer Goede

Autor: goede    (0 Kommentare)

: 08.02.2010, 09:30 Uhr
Carl Philipp Emanuel Bach, The Complete Works
Carl Philipp Emanuel Bach, The Complete Works, Serie III, Vol. 9.15: Keyboard Concertos from Manuscript Sources XV, Wq 4 - 6, Hg. Dougles Lee, ISBN 978-933280-71-4, The Packard Humanities Institute, Los Altos, California, 2009

Carl Philipp Emanuel Bach, The Complete Works, Serie III, Vol. 9.2: Kexboard Concertos from Manuscript Sources II, Wq 44 und 45, Hg. David Schulenberg, ISBN 978-933280-26-4, The Packard Humanities Institute, Los Altos, California, 2009

Carl Philipp Emanuel Bach, The Complete Works, Serie VI, Vol. 1:Gellert-Lieder, Wq 194 und 195, Hg. Darrell M. Berg, ISBN 978-1-933280-36-3, The Packard Humanities Institute, Los Altos, California, 2009


Carl Philipp Emanuel Bach, The Complete Works, Serie VI, Vol. 2: Cramer- und Sturm-Lieder, Wq 196 – 198, Hg. Anja Morgenstern, ISBN 978-933280-35-6, The Packard Humanities Institute, Los Altos, California, 2009


Die neue Gesamtausgabe macht mit diesen Bänden große Schritte voran. Zwar liegen auch in Deutschland inzwischen neue Praxisausgaben, z.B. der Sturm-Lieder, vor, doch die Autorität dieser Gesamtausgabe auf höchstem Niveau können sie natürlich nicht erlangen. Die Bände bringen nach einem allgemeinen Vorwort Einführungen in die betreffenden Serien und die Hintergründe der einzelnen Werke. Faksimiles, Bachs Vorworte und ein genauer Kritischer Bericht, Abkürzungs- und ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis runden sie ab. Die Texte sind vollständig unter den Melodien wiedergegeben, alles ist hervorragend lesbar, kein Wunsch bleibt offen.

Rainer Goede

Autor: goede    (0 Kommentare)

Tonträger: 08.02.2010, 09:30 Uhr
Orgelmusik am Wiener Hof
Orgelmusik am Wiener Hof
Froberger, Kerll,Georg Muffat, Jeremy Joseph, Freundt-Orgel Klosterneuburg,
NCA 60207, P 2009
Georg und Gottlieb Muffat, Wolfgang Kogert, Sieber-Orgel der Michaelerkirche Wien, NCA 60206, P 2009

Diese beiden CDs bringen unter Beteiligung der Wiener Choralschola (Leitung: Daniel Mair) Werke der o.g. Komponisten. Die sind nun beileibe keine Unbekannten mehr, doch kann man ihre aufregende und mitreißende Musik nicht oft genug hören. Beide Interpreten sind kompetente Spieler, die überlegt an ihre Aufgabe herangehen, an Interpretation und Artikulation ist nichts auszusetzen, an den Instrumenten schon gar nichts. Dennoch geht bei Jeremy Joseph die Mutwilligkeit etwas durch, wenn er Kerlls Toccata IV mit ihren chromatischen Durezzen und Ligaturen im vollem Werk spielt, das folgende Ricercata aber nur mit dem Principal erklingen lässt. In Muffats Missa in F detoniert Daniel Mair hörbar, hätte man das nicht korrigieren können? Markus Grassl zeichnet für die Booklettexte verantwortlich, sie bringen die notwendigen Informationen schlüssig herüber. Anstelle mehrerer Fotos der Interpreten und der Orgelprospekte wären aber sicherlich weitere Detailfotos der Instrumente am Platze gewesen. Bei der Freundt-Orgel fehlen die Angaben zu Winddruck und Balgsystem, bei der Sieber-Orgel der Name der Firma, die die Rekonstruktion 1987 durchführte. Alles in allem aber sind es zwei schöne Aufnahmen, denen man gerne zuhört.

Rainer Goede

Autor: goede    (0 Kommentare)

Tonträger: 08.02.2010, 09:30 Uhr
J. S. Bach, Die Kunst der Fuge
Die Kunst der Fuge, Bengt Tribukait, Cahman Orgel in Leufsta Bruk, Musica Rediviva (S) MRCD 017

Die Aufnahme hält sich an die Reihenfolge des Originaldrucks von 1751, der bekanntlich nicht unbedingt auf Bach selber zurückgeht. Diese Reihenfolge ist aber neben der Manuskriptfolge üblich geworden, sie hat ja auch einige Berechtigung und innere Konsequenz. Für einen Organisten ist zwar die Kunst der Fuge noch heute nicht unbedingt ein Repertoirestück, für einen ehrgeizigen aber allemal. Tribukait ist auch nicht unbedingt ein Spezialist für alte Musik, ihm gelingt gleichwohl mit dieser Einspielung eine respektable Aufnahme, die nur gelegentlich durch etwas nervöse Tempi getrübt wird. Ihm stand zur Verfügung das Instrument in Leufsta Bruk (S), das über 28 Register auf Manual, Rückpositiv und Pedal verfügt. Das Werk wurde 2006 durch die Fa. Akerman&Lund in Zusammenarbeit mit Mats Arvidsson wiederhergestellt. Das knappe Booklet gibt leider keine Auskunft über den Winddruck und die Stimmtonhöhe. Das klangschöne Instrument lohnt aber die Anschaffung.

Rainer Goede

Autor: goede    (0 Kommentare)

Tonträger: 08.02.2010, 09:30 Uhr
Faszination Orgel 1, Goll-Orgel St. Martin Memmingen
Faszination Orgel 1, Goll-Orgel St. Martin Memmingen, Hans-Eberhard Roß, Bezugsadresse: Kantorat St. Martin, Pfaffengasse 8, 87700 Memmingen

Die im Eigenverlag herausgebrachte CD bringt Werke von Bach, Naujalis, Eben, Albéniz und Widor. Das ungewöhnliche Programm spricht für den Interpreten und seine Orgel, die ein vorbildliches Werk ist und nicht oft genug gehört werden kann. Ihr satter und präsenter Klang ist von eigener Qualität, wenn auch die Nähe zur französischen Romantik unüberhörbar ist. So führt Roß in Widors g-Moll-Symphonie aus op. 42 die große Farbvariabilität des 62 Register zählenden Instrumentes mit angemessener Agogik vor, bringt mit zwei Stücken aus Ebens „Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens“ die singulär scharfen Konturen des böhmischen Großmeisters zum Klingen und zeigt sich mit zwei Bearbeitungen aus Albeniz’ „Suite espagnole“ auch als Organist, der dem bestehenden Repertoire noch neue Fassetten hinzugewinnen kann. Lediglich Bachs Praeludium und Fuge G-Dur, BWV 541, kommt etwas farblos daher, zumal hier eine ähnliche Agogik wie bei Widor eher störend wirkt. Hat die Orgel in ihrer Stilistik seit ihrer Fertigstellung im Jahr 1998 bereits Maßstäbe gesetzt, so tut das ihr Hausorganist mit dieser CD in gleicher Weise: eine gute Mischung zwischen herkömmlichen und ausgefallenen Werken und deren kompetente Interpretation spiegeln die Würde des Instruments kongenial.

Rainer Goede

Autor: goede    (0 Kommentare)

Noten: 08.02.2010, 09:30 Uhr
Franz Tunder – Nicolaus Hasse, Sämtliche Orgelwerke
Franz Tunder – Nicolaus Hasse, Sämtliche Orgelwerke, Vater-Orgel St. Petri Melle (1724), Friedhelm Flamme, cpo 777 370-2

In seiner Reihe „Organ Works of the North German Baroque“ bringt Flamme als Folge VI nun in einer Einspielung aus dem Jahr 2006 die Werke von Tunder und Nicolaus Hasse. Mit dem von Bernhardt Edskes im Jahr 2000 restaurierten Instrument steht dem Interpreten eine für dieses Programm prädestinierte Orgel zur Verfügung, die mit ihren 37 Registern auf drei Manualen und Pedal vielfältige Farben bereithält. Viel zu sehr im Schatten von Buxtehude stehen mit ihren Praeludien und Choralphantasien sein Vorgänger Tunder und der Rostocker Marienorganist Hasse. Dabei sind ihre Werke wohl kürzer, aber ähnlich aufregend mit ihren vielen Echospielereien, gekonnten Durchführungen der einzelnen Verszeilen, den Toccaten- und Fugenteilen. Dem allen ist Flamme ein kompetenter Partner, sachgerechte Registrierungen und Artikulationen lassen die Stücke zu einem ansprechenden Programm werden. Das Booklet bringt die notwendigen Informationen, auch die Registrierungen werden wiedergegeben. Eine CD , die der Rezensent gerne weiter empfiehlt.

Rainer Goede

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Tonträger: 08.02.2010, 09:30 Uhr
Sweelinck, Music for Harpsichord und Keyboard
Jan Pieterszoon Sweelinck, Music for Harpsichord, Glen Wilson, Naxos 8.570 894, P 2009 und
Jan Pieterszoon Sweelinck, Works for Keyboard, Volume 2, Robert Woolley, Chaconne CHAN 0758, P 2009

Es sind vor allem die verwendeten Instrumente, die diese beiden Aufnahmen unterscheiden. Glen Wilson spielt auf einer Ruckers-Kopie von Henk van Schevikhofen in einer tragenden Akustik, Robert Woolley auf einem Claviorganum nach Lodewijk Theewes von Malcolm Rose und einem modernen Virginal ebenfalls nach Ruckers von Adlam Burnett in einer eher trockenen Akustik. So macht Wilsons Aufnahme einen prächtigeren Eindruck als die Woolleys, in Tempi und Spielweise sind aber kaum Unterschiede hörbar. Wie immer bleibt das Booklet bei Naxos dürftig, ohne jede Bebilderung und ausschließlich in englischer Sprache. Glen Wilson widmet seine Aufnahme seinem Lehrer Gustav Leonhardt und fügt noch eine sehr interessante Fantasia primi toni hinzu, die er Melchior Schildt zuschreibt. Auch das Booklet von Chaconne bringt kaum Bilder, die Wiedergabe des Sweelinck-Portraits von seinem Bruder Gerrit ist seitenverkehrt. Die Texte von Wilson und Andrew McCrea beschäftigen sich beide ausführlich mit der Beschreibung der Werke, aber nicht mit der Quellenlage. Beide Aufnahmen zeugen von der zeitlos hohen Einschätzung Sweelincks als einem der Väter abendländischer Tastenkunst.

Rainer Goede

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Tonträger: 08.02.2010, 09:30 Uhr
San Marco in Hamburg und Selle, Die Auferstehung Christi
San Marco in Hamburg und Selle, Die Auferstehung Christi, Weser-Renaissance, Ltg: Manfred Cordes, cpo 777 245-2 und 777 396-2, P 2008 und 2009

In der Reihe „Musica sacra Hamburgensis 1600 – 1800“ der Zeit-Stiftung entstanden in Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur diese beiden CDs in den letzten beiden Jahren. Die erste CD widmet sich verschiedenen lateinischen und deutschen Motetten von Hieronymus Praetorius, die zweite bringt neben der gewichtigen Historia der Auferstehung verschiedene Bearbeitungen vor allem von Chorälen der Reformationszeit des Hamburger Kantoren Thomas Selle. Über die zeitgeschichtlich hohe Bedeutung der Organisten- und Kantoren-Musik in Hamburg, das von vielen Wirren der Zeit verschont geblieben war, ist so viel geschrieben worden, dass sich der Rezensent auf die Qualitäten der Aufnahme beschränken kann. Manfred Cordes setzt die Notentextvorlagen für sein Ensemble auf eine Art und Weise um, die schlichtweg vollkommen zu nennen ist. Ob es im 16. und 17. Jahrhundert tatsächlich so klang, ist eher zu bezweifeln, doch es könnte so geklungen haben, nur wohl nicht so perfekt. Die CDs machen den Schritt von der traditionellen niederländischen Polyphonie, die noch Hieronymus Praetorius stark prägte, hin zur barocken Theatralik in den Recitativen Selles deutlich. So wird das Oster-Evangelium wieder ganz lebendig, der Hörer staunt über die Raffinessen des Hamburger Musikdirektors und wie die Ausführenden dem begegnen. Zwei CDs, die man auch außerhalb von Weihnachten gut verschenken kann.

Rainer Goede

Autor: goede    (0 Kommentare)

 

Orgeln in Deutschland