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Rezensionen
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07.05.2012, 19:08 Uhr |
| Johann Caspar Kerll, Neun Orgelwerke aus dem Neresheimer Orgelbuch, Hg. Schächer, CP 1053, Cornetto, |
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Das „Neresheimer Orgelbuch“, zwischen 1661 und 1682 in Neresheim angelegt und verwahrt in der Bay. Staatsbibliothek in München, beinhaltet 174 Orgelstücke, die einige Male den Komponistennamen verzeichnen, womit die Echtheit dieser Zuweisung aber nicht gesichert ist. Der vorliegende Band beinhaltet 10 Stücke, die unter dem Namen Kerll aufgenommen waren, dazu noch zwei Werke von Joan. Bapt. Moggi und F. Leonhardi Haydt. Wirklich wesentlich ist wohl nur die Toccata primi toni, die den Band eröffnet. Die ungesicherte Autorschaft lässt die Frage aufkommen, warum hier nicht eine größere Auswahl von gewichtigeren Stücken aus dem „Neresheimer Orgelbuch“ veröffentlicht wurde ohne den Namen Kerll zu strapazieren, der vielleicht hier gar nicht Pate steht. Auf dem Weg zu richtigen und wichtigen Quelleneditionen bleibt offenbar noch eine lange Strecke zurückzulegen.
Rainer Goede

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25.04.2012, 21:56 Uhr |
| CD Best’s Bach, Carsten Wiebusch, Klais-Orgel Christuskirche Karlsruhe, audite 92.663 SACD, P 2012 |
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Natürlich, wer kauft heute noch eine Bach-CD in barocker Praxis eingespielt? Vereinzelt machen sich darum nun einige Interpreten auf, auf romantischen Orgeln Bach nach der Straube-Ausgabe einzuspielen, sicherlich eine Alternative, wenn auch eine fragwürdige, liegt doch die romantische Praxis noch nicht so weit zurück, dass sie vergessen wäre, vielmehr ist diese alte Mode noch immer ziemlich virulent. Und damit der Muff des Kaiserreiches, sein Theologie- und Musikverständnis. Wer will das tatsächlich?
Diese CD reizt noch einmal anders, sie reizt zum Zuhören auf eine Bachauffassung aus dem victorianischen England und sie reizt gleichermaßen zum Widerspruch, denn diese Stilistik berührt heute ebenso seltsam, zwischen interessant und auch peinlich schwankend. Aber in erster Linie ist diese CD eine Dokumentation, eine Dokumentation einer gelungenen Orgel-Metamorphose in der Karlsruher Christuskirche, eine wichtige Dokumentation der Bestschen Bach-Einrichtungen und eine hervorragende Visitenkarte eines guten Organisten.
Best macht Anleihen natürlich bei Liszt, aber seine Vorstellung geht nach Theatralik mit Dampf und Donner. Wie plastisch kommt da die d-Moll-Chaconne daher, gleich in den ersten Takten spielt Wiebusch die charaktervollsten Stimmen der Orgel heraus, zwischen dicker Flöte, Streichern und Principalen mehrerer Charakter spielt sich dann Best’s Bach mit immerwährenden An- und Abschwellen (bis auf die kurzen Orgelchoräle) in einer aufgesetzten und doch irgendwie nüchternen Szenenfolge ab. Eine CD mit zwiespältigem Eindruck, die man sich deshalb gerne öfter anhört.
Rainer Goede

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| Tonträger: |
25.04.2012, 21:24 Uhr |
| CD Johannes Eccard, Fröhlich will ich singen, Staats- und Domchor Berlin, Lautten Compagney, Kai Uwe |
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Unter den frühen preußischen Hofkapellmeistern nimmt Eccard eine besondere Stellung ein. Seine klangvolle Musik hat auch noch heute eine besonders einnehmende Wirkung. Noch geschult in der Münchener Hofkapelle unter Orlando di Lasso ernennt ihn 1580 Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach zum Vizekapellmeister in seiner temporären Residenz Königsberg. Erst 1608 bestätigt ihn Kurfürst Johann Sigismund als Kapellmeister in Berlin. Die CD vereint eine Reihe von geistlichen und weltlichen Liedern, das Genre, in dem Eccard sich meisterlich auszudrücken verstand, eher homophon, aber mit polyphonen Einwürfen, geniale Melodieführung im Diskant und immer mit dem festen Fundament des neuen Generalbasses. Jirka instrumentiert diese Sätze lustvoll mit allen Möglichkeiten, die ihm die Lautten Compagney anbietet. Das wirkt manchmal sogar etwas übertrieben mutwillig, bleibt aber durchaus stilvoll. Seine Knaben musizieren auf einem hohem Niveau, nur manchmal bleibt die Färbung doch etwas „kindlich“. Eine CD, die so richtig Spaß macht, vor allem heuer mit dem Jahresmotto „Reformation und Musik“ auch beispielhaft für einen Rückblick auf reformatorische Praxis.
Rainer Goede

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| Literatur: |
24.04.2012, 22:08 Uhr |
| Gestalteter Klang – gestalteter Sinn, Orientierungsstrategien in Musik und Religion im Wandel der Ze |
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An den Jahren 1555, 1789, 1918 und 2010 möchten die zehn Verfasser interdisziplinär Berührungspunkte zwischen Musik und Theologie festmachen. Da jeder Beitrag dabei seinen eigenen Ansatzpunkt hat, ja haben muss, ist es für den Leser nicht ganz einfach, einen roten Faden zu erspüren. Vielleicht war das auch gar nicht vorgesehen. Immerhin gelingt überzeugend, den Weg der Zeiten von geprägten Denkräumen hin zur Individualität unserer Zeit darzustellen, und das natürlich im musikalischen Bereich noch eher als im theologischen Bereich, der öfter für seine Entwicklungslinien Anleihen bei musikalischen Prägungen übernehmen muss. Bei aller Unterschiedlichkeit vom Denken eines Komponisten, Interpreten und Hörer: musikalische Formen und Gestaltungselemente sind Orientierungsformen ersten Ranges, nachvollziehbare handwerklich Kunst im besten Fall von ergreifender Wirkung. Sie werden noch eher Gebet als es theologisch richtige Übersetzungen, Gedichte oder Prosa oder wissenschaftliche Streitschriften oder Abhandlungen je werden können. So ist es auch ganz folgerichtig, wenn im ausgehenden 18. Jahrhundert schließlich Kunst mit Religion verwechselt wurde, das „Unaussprechliche“ zum Ziel der absoluten Musik wurde. Wie sich hier die Architektur zeitgemäß einzuklinken suchte, religiöse Eindrücke aus der Integrität ästhetischer Erfahrung zu Wegzeichen machte, aus deren banaler Verfestigung wieder Befreiungsversuche zu starten waren, das ist die Thematik dieses Buches, das nicht ganz einfach zu lesen ist. Die Standortbestimmung am Beginn des 21. Jahrhunderts übernimmt am Ende Hans Zender, wenn er schreibt: „Die moderne Kunst mit ihrer Zerstörungsarbeit an den subjektivistischen Erlebnisstrukturen von Kunst scheint fähig zu sein, den Blick frei zu machen für ein Erleben, das hinter dem Subjektivismus liegt – oder ... ihm zu Grunde liegt.“ So kann neue Musik eben gleichzeitig alt- wie neumodisch sein. Und wie beschreiben das „Wohin“ die Theologen?
Rainer Goede

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16.04.2012, 09:41 Uhr |
| CD Heinrich Isaac, Ich muss dich lassen, Capilla Flamenca, Oltremontano, Dirk Snellings, Ricercar 31 |
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Das Themenjahr „Reformation und Musik“ wendet derzeit den Blick zurück auf eine Zeit, deren Musikgebrauch sich heute nur wenige vorstellen können. Um so hilfreicher ist dann z.B. vorliegende CD, deren Protagonisten nacheinander dezidiert den Flamen, den Italiener und den Wiener Hofkomponisten Heinrich Isaac vorstellen. Mit Isaacs Schüler und Nachfolger, Luthers Freund Ludwig Senfl ist denn auch die Klammer zur Reformation gesetzt, die Isaacs Melodie „Innsbruck, ich muss dich lassen“ unsterblich werden ließ. Das Booklet (David Burn) umschreibt Isaacs Leben, seine große Kunst der niederländischen Polyphonie, wie sie dann gleich im Sanctus aus der „Missa Tmeisken was jonck“ auch zu hören ist, die Kunst, eine Melodie vielfältig zu verarbeiten in Besetzung und höchst kunstvollem Satz. Der Aufenthalt in Florenz ändert nicht die Kunst, aber die Vorlagen, das gesellschaftliche Umfeld prägt neue Lebensart, neue Formen und neue Melodien. Der Aufenthalt in Wien schafft mit dem Posten des Hofkomponisten eine ungeahnte Freiheit für einen Musiker der Zeit, die Isaac mit breiter Fülle seiner Kompositionen ausfüllt, hier in wenigen Beispielen vorgestellt und beispielhaft musiziert. Zur Vokalbesetzung der vier Männerstimmen der Capilla Flamenca treten vielfältige Klänge der Zeit hinzu, Laute, Gamben, Flöte, schließlich Zink und Posaunen der Bläsertruppe Oltremontano. Ihr durchdachtes Musizieren lädt ein, der vorreformatorischen Musik, die sich nicht unterscheidet von der Stilistik der nachreformatorischen Musik, ein offenes Ohr zu gönnen. Dem ein oder anderen Neubürger mag dabei manches steril klingen, was eher der Deutlichkeit der Wiedergabe geschuldet ist. Die aber ist ein hoher Gewinn vor manchen CDs, die das Klanggeschehen eher vorüberrauschen lassen.
Rainer Goede

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15.04.2012, 19:03 Uhr |
| CD Wilhelm Sauer 1906 – St. Marien Neuzelle – Thomas Seyda, Orgellandschaft Niederlausitz Monographi |
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Viele CDs sind sehr gut, Orgel, Aufnahmetechnik, Werke, Spieler, Inhalt und Aufmachung des Booklets, alles sehr gut, diese CD ist aber noch besser: Sie lässt das große Engagement, die helle Sympathie aller Beteiligten an ihrer Aufgabe durchspüren. Das von Scheffler 2001 restaurierte Instrument hat zwar eine für das 20. Jahrhundert typische Geschichte, es klingt aber einfach schöner als andere Instrumente, mitnehmend schön, wozu die Aufnahmetechnik alles ihr Mögliche beisteuerte. Das Programm von Bartmuß (1. Sonate u.a.) über Reger (aus op. 59) und Brahms (aus op. 122) bis zu Rheinberger (8. Sonate) ist ausnehmend schön und gibt alle Möglichkeiten, das Instrument vorteilhaft vorzuführen, auch wenn allzu Bekanntes sich wieder einzuschleichen vermochte. Seyda ist ein einfühlsamer Spieler, dem es wichtig ist, dass Kompositionen und Orgel und Raumakustik ein gemeinsames Leben eingehen, der sich nicht in den Vordergrund spielt, sondern seine Programmwerke selbst und reif leben lässt. Das Booklet gibt alles Wissenswerte wieder: Disposition (leider ohne Angaben zum Winddruck und zur Stimmtonhöhe), Registrierungen, Baugeschichte der Klosterkirche und der Klosteranlage, Orgelbaugeschichte, Klanggestalt der Orgel, Programmbeschreibung und Vita des Organisten. Die reichlichen Photos sind hervorragend gemacht, bringen wunderschöne Einblicke in die Kirche, Kirchenanlage und die saubere Arbeit Schefflers an dieser Orgel aus verschiedensten Perspektiven, die Aquarelle von Rainer Kolpe verleihen dem Booklet zusätzliche respektvoll gemachte Farbtupfer. So wie Neuzelle ganz überraschend helles nordböhmisches Barock getragen von uralter Gotik an der Oder aufleuchten lässt, so überraschend lebendig wirken die Musikerputten auf der Emporenbrüstung. Ihnen zuzuschauen beim Musizieren, ist ein wahres Vergnügen - so wie dieser CD zuzuhören. Bei dieser CD-Edition verschmelzen Schauen und Hören einmal zu einer Einheit!
Rainer Goede

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13.04.2012, 17:21 Uhr |
| Georg Philipp Telemann, Missa brevis zum Weihnachtsfest über „Ein Kindelein so löbelich, TVWV 9:5, C |
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Wohl aus seiner Frankfurter Zeit stammen die elf Kyrie-Gloria-Messen, von denen bei Carus auch die einzig autographisch überlieferte Missa brevis über „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ bereits ediert ist. Hofmann legt die auf altmodische Manier (s. Bernhard, Knüpfer, Theile und Zachow, eigentlich die ganzen cantus-firmus-Messen der alten Niederländer) gemachten Messesätze in einer gut erläuterten Form vor, die nichts zu wünschen übrig lässt. Trotz oder wegen doppelten Kontrapunktes im zweiten Kyrie-Satz der Weihnachtsmesse, dieser Stilo antico lässt sich problemlos a cappella mit Continuo musizieren, bei Bedarf mit Streichern und Holzbläsern verstärken und in der Weihnachtsmesse mit zwei Hörnern, die Bachs Nachfolger Gottlob Harrer hinzuschrieb glanzvoll aufführen. Die Aufführungsdauer von je 10 Minuten verrät, dass bereits damals die Frankfurter nach dem Gottesdienst noch anderes vorhatten. Stilo antico im barocken Gewand ist damit durchaus zeitgemäß, den Ausgaben ist eine reiche praktische Nutzung zu wünschen.
Rainer Goede

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13.04.2012, 16:45 Uhr |
| CD Organy Joachima Wagnera W Siedlach, Wolfgang Zerer, DUX 0828, P 2011, Bezug Note 1 |
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Orgeln wollen auch heute noch entdeckt werden, dann werden sie durchaus wieder lebendige Lehrmeister für Orgelbauer und –spieler. Das gilt mit Sicherheit insbesondere für das kleine Werk in Siedlce/Pl, das Joachim Wagner 1745 an einen unbekannten Auftraggeber lieferte: mit zwei Manualen als Doppeltransmissionslade, so dass 4 ½ geteilte Register auf beiden Manualen spielbar sind, dazu zwei hohe Stimmen auf dem ersten Manual. Das Werk kam über Warschau nach Pruszyn, wo es 1968 über der Sakristei eingelagert wurde. 2002 wurde es nach Siedlce abgegeben, wo es 2010 durch Ekkehart Groß aus Waditz restauriert wurde. Es ist das einzige Instrument, dass in dieser Bauart von Joachim Wagner erhalten ist.
Wolfgang Zerer bringt das kleine Instrument mit dem gar großen Registertableau (11 Registerzüge auf jeder Seite) mit sicherer und flinker Hand zum Klingen, und zu welchem Klingen! Die direkte Aufnahmetechnik gibt den ganzen Schmelz der Orgel sehr genau wider, hier kann man auf Grund der Nähe des Instrumentes viele Details der Intonation erkennen! Mit Carl Philipp Emanuel Bachs 3. Orgelsonate beginnt Zerer den Reigen, um ihn mit Werken von Sweelinck, Kerll, Bach, Mozart und Froberger fortzusetzen. Die Registriermöglichkeiten für zwei Manuale demonstriert er mit Werken von Böhm, Bruna und Muffat. Die Stilentfernungen der Komponisten gibt die reichen Klangmöglichkeiten des Instrumentes exemplarisch wieder, was andererseits natürlich erkauft wird durch Bruch jeder Stilreinheit, jede Programmfolge rüttelt den Hörer gewaltig durcheinander. Sicherlich wären aus der Zeit der ersten hundert Jahre dieses Instrumentes auch genügend Kompositionen zu haben gewesen, die die Möglichkeiten der Doppeltransmissionslade in norddeutscher Barockzeit und früher Romantik ebenso ausloten.
Rainer Goede

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12.04.2012, 19:49 Uhr |
| Gottfried August Homilius, Ausgewählte Werke Reihe 2 Band 1, Kantaten vom 1. Advent bis Neujahr, Car |
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Zwar firmiert die laufende Homilius-Ausgabe bei Carus unter Gesamtausgabe, ein Editionsplan für die Kantatenreihe, jetzt „Ausgewählte Werke“, wird leider auch nicht mitgeteilt, aber natürlich bricht der Neue Geist bei Carus Uwe Wolf hier Negationsgrenzen heutiger Zeitgenossen gegenüber dem bedeutendsten Kantatenkomponisten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts konsequent auf. So hervorragend eingängig, wie Homilius für seine Zeit zu schreiben vermochte, so gut ließ er auch seine Opera in Abschriften vermarkten - ein Problem für den Herausgeber, über die wahre Flut von Quellen die Übersicht zu behalten und die wirklich relevanten auszusondern. Diese Aufgabe ist bei Uwe Wolf natürlich in den besten Händen und so lässt die Ausgabe diese Bandes nichts zu wünschen über außer, dass sie bald vielfältigst genutzt wird. Selbst der Preis relativiert sich bei sechs Kantaten, darunter zwei Erstveröffentlichungen. 30 Jahre (1755 – 1785) Kreuzkantorendasein zeitigten nachweisbare wohl continuierlich entstandene 180 Kantaten, jede durchaus anspruchsvoll, individuell gestaltet und meist weniger als 20 Minuten dauernd. In diesem Band finden sich die prachtvoll mit Trompeten und Pauken besetzten Kantaten zum 1. Advent (doppelchörig) und zum Weihnachtsfest, aber auch die Kantaten zum 3. Advent und zum Neujahrstag bieten den Glanz von Hörnern, wie es in der Zeit auch bei Carl Philipp Emanuel in Hamburg durchaus üblich war.
Dem ausführlichen Vorwort und dem Kritischen Bericht ist noch eine sehr instruktive Übersicht der Überlieferung nach Orten und Kantoren beigefügt. Wie schön, dass der Herausgeber da (S. 253) Felix Mendelssohn Bartholdy bis 1856 leben ließ, wer hätte es ihm nicht gegönnt!
Rainer Goede

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| Noten: |
12.04.2012, 11:41 Uhr |
| „Kaiser“, Markus-Passion, als Pasticcio von Johann Sebastian Bach (Leipzig um 1747) mit Arien aus Ge |
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Nach Keisers Weihnachts-Oratorium widmete sich nun Christine Blanken einer weiteren Fassung von Keisers Markus-Passion. Liegt die Fassung (vermutliche Erstaufführung 1707) von 1712 bereits in einer Ausgabe von Felix Schroeder seit 1963 und von Hans Bergmann seit 1979 vor, so gesellt sich nun Bachs auf 39 Nummern gewachsene Fassung von 1747 hinzu. Der Autorname ist anhand der unklaren Angaben auf der Quelle neu zu diskutieren, Blanken hält denn auch Reinhard Keiser kaum für den Autor, sondern verweist auf den Vater Gottfried Keiser, wofür ein Nachweis aber auch nicht zu erbringen ist. Dafür macht die Ausgabe aber aufmerksam auf die auch hier ja nur rekonstruierte Pasticcio-Praxis von Bach-Vater und gibt der heutigen Praxis damit ein weiteres Exemplar barocker oratorischer Passion an die Hand. Bachs Fassung beinhaltet 7 Arien aus der Brockes-Passion von Händel sowie zwei wohl unvollständig überlieferte Choralsätze, die evtl. aus der Leipziger Fassung von 1726 stammen. Fragen insbesondere der Besetzung mit Oboen und genauerer dynamischer und artikulatorischer Gestaltung müssen offen bleiben. Die kleine Besetzung mit nur vier Soli, vier Holzbläsern, Streichern und Chor machen die Ausgabe für viele Chöre, die nicht immer nur Bachs bekannte Passionen singen wollen, interessant, der ziemlich hohe Preis leider nicht.
Rainer Goede

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| Tonträger: |
11.04.2012, 19:17 Uhr |
| CD Georg Böhm, Orgelwerke, Bernard Foccroulle, Van Hagerbeer-Orgel in der Grote of St. Laurenskerk i |
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Die Qualitäten der weltberühmten Van Hagerbeer/Schnitger-Orgel sind bekannt und machen Sie für ein Programm mit Böhmschen Werken wohl geeignet, dennoch ist hier ein großer Wurf nicht zustande gekommen. Bernard Foccroulles Spiel ist mit den Vokabeln holzschnittartig und vorsichtig zu charakterisieren, etliche auftaktige Bindungen machen es schwer, hier barocke Musik zu hören. Erst beim Praeludium in a-Moll kommt Foccruolle zu einem zupackendem Spiel. Auch will das gewählte Klangbild im großen Raum der Kirche nicht unbedingt zu den Preziosen Böhms passen, Foccroulle behilft sich deswegen mit Registerkombinationen, die sich dann leider öfter wiederholen, Die Klangfarben einzelner Register und ihre Mischungen im 8’-Bereich, ein Markenzeichen thüringischer Musik der Zeit, werden kaum genützt, die Orgel in ihrer Vielfarbigkeit so nicht genutzt.
Das Booklet gefällt sich zudem in vielen Mutmaßungen und manchen falschen Behauptungen. Zunächst ist die Hamburger Oper nicht „das älteste Opernhaus im gesamten deutschen Sprachraum“, ihm gingen vielmehr eine ganze Reihe von Häusern in kleineren Residenzen voraus. Dass die Niehoff/Johannsen-Orgel in St. Johannis in Lüneburg „Ermüdungserscheinungen“ gezeigt hätte, ist nirgends verbürgt. Schließlich findet Bachs Eintrag von 10 Böhmwerken im Möller-Manuscript und 5 weiteren Werken im Andreas-Bach-Buch keine Erwähnung. Auch dass der Latein-Unterricht an der herzoglichen Ritterschule (nicht Gymnasium von Lüneburg, das war das Johanneum) der Anreiz für Bachs Umzug nach Lüneburg gewesen sein soll, liest der Rezensent staunend zum ersten Mal. Dass Böhm Bach in den Orgelbau eingeführt haben soll, ist ebenso kaum zu vermuten, eher war das der Umbau des Chorpositivs in St. Michaelis durch Johann Balthasar Held im Jahr 1701. Dass Bach an der Musik des „Schulchores“ in St. Johannis teilgenommen hätte, ist vollkommen unwahrscheinlich, schließlich hatte er als Mitglied des Mettenchores in St. Michaelis dort zeitraubende Aufgaben zu erfüllen. Von Böhm sind insgesamt 13 Kantaten und 6 Motetten bekannt, nicht 6 und 4! Die früher Händel zugeschriebene Johannes-Passion wird heute eher Christian Ritter zugeordnet, auf keinen Fall aber Böhm. Von Ritter finden sich auch einige Werke im MM und ABB. Und schließlich, unter welcher Rubrik denn nicht als Choralphantasie will der Booklet-Autor Gilles Cantagrel die große Bearbeitung zu „Christ lag in Todesbanden“ einordnen? So geht es auch im Text von Bernard Foccroulle lustig weiter, natürlich hat Böhm Bach nicht an der Orgel von St. Michaelis unterrichtet, sondern in seinem Hause. Auch die Wiedergabe der Disposition und der Registrierungen sind nicht fehlerlos.
Eine solche Fülle von Unrichtigkeiten disqualifiziert die ganze CD, schade, denn ein gültiges Booklet lässt sich doch mit einiger Recherche fehlerlos erstellen.
Rainer Goede

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| Tonträger: |
01.04.2012, 10:14 Uhr |
| Bernardo Pasquini, Opere per Organo, Letizia Romiti, Tactus 631803, P 2011 |
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Zwei Instrumente in Turin, erbaut von Cesare Catarinozzi di Affile in der Chiesa Abbaziale Novalesa Ende des 17. Jahrhunderts und 1973 restauriert, und in Terni, erbaut von Johannes Conradus Verlé in der Collegiata S. Maria Assunta Ottricoli von 1745 und 2006 restauriert, standen für die Aufnahme ausgewählter Werke von Bernardo Pasquini für diese Aufnahme zur Verfügung. Jedes der zwei sehr unterschiedlichen Instrumente besticht auf seine Weise, das Turiner durch seine klare Ansprache und Obertönigkeit, das in Terni durch seine gleichsam mühevollen Vorläufertöne und seinen verhaltenen Glanz. Pasquini, gleichen Alters wie Buxtehude und gleichen Einflüssen von Frescobaldi her unterlegen, schreibt für die italienische Orgel gelehrte Ricercari und Fantasien beträchtlichen Umfangs, die ein Thema nach allen Seiten ausgestalten, ebenso wie spielfreudige Variationen (Bergamasca, Pasacaglien, Partiten), Canzonen und Toccaten (Tastata) wie volkstümliche Charakterstücke (Pastorale). Wie weit ist da Buxtehudes Oeuvre für die norddeutsche Orgel im Hamburger Prospekt entfernt! Kein Grund, auf Pasquinis Stücke herabzuschauen, die inneren Werte liegen hier ganz im kompositorischen Satz, der Pasquini zum hochgeehrten Lehrer von z.B. Domenico Zipoli, Domenico Scarlatti, Johann Philipp Krieger und Georg Muffat werden ließ. Letizia Romitis Spiel zeichnet sich durch große Klarheit aus, die verschiedenen Charakteristika der Stücke sind prägnant herausgearbeitet, auch wenn ihr Spiel zu allzu kurzer Artikulation neigt. Bei den Schlusskadenzen nimmt sie sich eine große Freiheit. Gerne würde man ihr, diesen beiden Instrumenten und Pasquini weiter zuhören wollen, bei einer Spieldauer von nur knapp 62 Minuten wäre das auch durchaus noch möglich gewesen.
Rainer Goede

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| Tonträger: |
31.03.2012, 16:22 Uhr |
| CD Splendeurs de l’orgue francais, Olivier Vernet und Cédric Meckler, Silbermann-Orgel Soultz, Ligia |
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Die 1750 erbaute Johann-Andreas-Silbermann-Orgel in Soultz im Elsaß ist nach so manchen Umbauten 2011 in ihren ursprünglichen Zustand durch Richard Dott zurückgeführt worden. Die CD, ein Mitschnitt des Einweihungskonzertes, stellt das prächtige Instrument mit einem bunten Programm der französischen Klassik in vielfältigen Facetten vor. Mit Olivier Vernet stellte sich ein sehr sachkundiger und spielfreudiger Interpret dieser Aufgabe. Die satten wie leuchtenden Klangfarben der Orgel bieten einen ganz hohen Kulturgenuss! Nach anfänglichen Wiedergaben älterer Stücke von Louis Couperin, Lebègue, Marchand und Jullien gesellt sich zu Vernet Cédric Meckler für drei für vier Hände bearbeitete Stücke Rameaus aus dessen Zyklus „Les Indes Galantes“ von 1735, womit die Reihe der Zeitgenossen der Orgel Daquin, Dandrieu (der im Booklet 50 Jahre über seinen Tod hinaus leben durfte), Corrette und Balbastre beginnt. Dankbar ist der Hörer für nicht so bekannte Stücke wie Correttes Magnificat en Mi la 3# aus dessen Premier Livre d’Orgue von 1737, dem leider die vokalen Verse fehlen, und vor allem für die sinnige Canonnade von Balbastre, die verdeutlicht, womit sich vormals hochgestellte und beliebte Musiker durch die Zeiten der französischen Revolution einfallsreich durchzuquälen wussten. Das Booklet enthält leider nur die nötigsten Angaben zur Orgel und gar keine zu den eingespielten Werken.
Rainer Goede

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27.03.2012, 15:56 Uhr |
| Homilius, Markuspassion HoWV I.10, Werkausgabe Reihe 1, Band 7, Hg Uwe Wolf, Stittgart 2011, Carus 3 |
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Homilius’ Markuspassion markiert ein herausragendes Erbe der oratorischen Passion aus den Jahren vor 1765. Diese Tradition, noch in Dresden und Hamburg bis kurz vor das Ende des 18. Jahrhunderts lebendig, machte sich auch Carl Philipp Emanuel Bach bereits in seiner ersten Passion von 1769 zunutze, indem er einen Teil der Markuspassion für seine Hamburger Praxis übernahm. Homilius ist somit der letzte Komponist, der vollständige Passionen dieser Art schrieb. Neben seinen vier zu jedem Evangelium geschriebenen Passionen sind aber auch fünf Passionsoratorien überkommen, in Dresden existierten offenbar beide Typen nebeneinander. Homilius, der so hoch geschätzte Komponist seiner Zeit, übersetzt die alte Praxis in den Stil seiner Zeit, der heute wieder geschätzt wird. Die Instrumentierung auch mit Hörnern und Pauken gibt der Passion neue klangliche Möglichkeiten, die Carl Philipp Emanuel Bach ebenfalls übernahm. Die in zwei Teilen gegliederte Passion umfasst insgesamt 48 Nummern, beginnend mit einem umfangreichen Choralchor mit dem Cantus firmus im Sopran. Insgesamt 9 sehr verschieden gearbeitete Arien und 13 schlichte Choräle ergänzen den Bibeltext, höchst einfallsreich sind auch die Turbae gestaltet. Die Ausgabe ist wie bei Carus gewohnt ohne Fehl und Tadel. Sehr dankbar muss man Uwe Wolf sein, dass er ermöglicht, den etwas steril gewordenen Passionsmarkt durch solch eine lohnenswerte Ausgabe aufzulockern.
Rainer Goede

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| Tonträger: |
27.03.2012, 15:23 Uhr |
| CD „A due organi“, Rodolfo Bellatti e Nicola Cittadin, Agli organi storici della Cattedrale di Asti, |
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In der Kathedrale von Asti stehen sich die klassische Evangelienorgel von Liborio Grisanti aus dem Jahr 1768 und die hochromantische Epistelorgel der Gebrüder Serassi von 1844 gegenüber. Beide Orgeln wurden im ersten Dezennium des 21. Jahrhunderts restauriert, so dass sie nun miteinander spielbar sind. Die beiden Schweizer Organisten Rodolfo Bellatti und Nicola Cittadin stellen diese Anlage mit Werken von Giovanni Gabrieli, Gussago, Viadana, Bernardo Pasquini, Terreni und Transcriptionen von Vivaldi und Händel vor. Am meisten Spielspaß entwickeln die beiden dabei bei Rossinis Sinfonia da „L’Italiana in Algeri“ und Rutters Variationen über „O Filii et Filiae“. Leider geht das Booklet nur ungenügend auf die Beschreibung der einzelnen Stücke ein, auch, wer welchen Part auf welcher Orgel in welcher Registrierung spielt, geht daraus nicht hervor, so dass ein analytisches Hören der CD kaum möglich ist. Dennoch macht die CD ob ihrer klanglich lebendigen Eindrücke Freude.
Rainer Goede

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| Tonträger: |
08.03.2012, 20:31 Uhr |
| CD Christoph Graupner, Passionskantaten, Anton-Webern-Chor Freiburg, Ensemble Concerto grosso, Ltg. |
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Selten wird dieser von der Musikgeschichtsschreibung bis heute vernachlässigte Komponist auch discographisch gewürdigt. Umso dankbarer ist der Hörer für diese Aufnahme von vier Passionskantaten, die einen kleinen Einblick in das Schaffen dieses genialen Komponisten verschaffen, so genial, dass die Leipziger ihn gerne zum Thomaskantoren gehabt hätten, nur ließ ihn der Darmstädter Langgraf Ernst Ludwig nicht ziehen, sondern zahlte ihm ein Gehalt, wie es die Leipziger nicht hätten zahlen können. Die Leipziger waren schon arm dran, nicht Telemann, nicht Graupner, nur Bach. Graupner komponierte denn auch 46 Kantatenjahrgänge, insgesamt 1414 geistliche Kantaten, und stellte damit Bach weit in den Schatten, nur die Musikwissenschaft hat das bis heute noch nicht so begriffen. Zu hören sind meisterliche Werke, die den Vergleich mit Telemann und Bach nicht nur standhalten, sondern ebenso prägnant eindringlich wirken und ebenso auf höchstem Niveau gearbeitet sind. Auch der Texter Johann Conrad Lichtenberg wusste zeitgemäßere Libretti zu verfassen als Bachs bereits etwas altmodische Librettisten. Was unserer Musikrezeption bisher fehlt, wird hier ein Stück weit demonstriert mit den hervorragenden Ensembles des Anton-Webern-Chores Freiburg und dem Ensemble Concerto grosso unter Hans Michael Beuerle. Besonders der Bassist Markus Flaig weiß in seinen Arien den jeweiligen Affekt mitnehmend herüberzubringen. Trotzdem, auf eine Gesamteinspielung wird Graupner wohl noch lange warten müssen.
Rainer Goede

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07.03.2012, 22:24 Uhr |
| Annaberger Chorbuch II (MS 1126) in zwei Bänden, Hg, Jürgen Kindermann, Erbe deutscher Musik Bd 113/ |
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In der 1496 gegründeten Stadt Annaberg im Erzgebirge, die ihre Entstehung dem Silberbergbau verdankt, wurde von 1499 bis 1525 mit der St. Annenkirche die größte reine Hallenkirche der Spätgotik in Sachsen erbaut. Zu ihrer reichhaltigen berühmten Ausstattung gehörten auch einige Chorbücher, von denen sich zwei in der Sächsischen Landesbibliothek erhalten haben. Die vorliegende Erstveröffentlichung macht diese Chorbücher nun der allgemeinen Forschung und Nutzung zugänglich. Die Chorbücher sind vor 1539 geschrieben, also noch für den katholischen Ritus, denn erst nach dem Tod Herzog Georgs hielt 1539 wie im gesamten albertinischen Sachsen auch in Annaberg die Reformation Einzug. Mutmaßlich gerieten die Bücher aber nicht außer Gebrauch, sondern stellten auch noch für den lutherischen Gottesdienst der reichen Stadt die liturgischen Gesänge im meist vierstimmigen Satz zur Verfügung. Es handelt sich um Messen, Messensätze, Magnificat-Vertonungen, Motetten, Hymnen, Sequenzen, Versus alleluiatici und Introiten, zum großen Teil anonym überliefert, doch finden sich unter ihnen auch Sätze so wichtiger Komponisten wie Heinrich Isaac, Antoine Brumel, Loyset Compère und Alexander Agricola. Der zweite Band bringt eine Quellenbeschreibung, die Konkordanzen, Bemerkungen zur Edition und den Kritischen Bericht. Eine weitere Auflistung bringt auch die Liturgische Bestimmung der einzelnen Sätze.
Im Themenjahr „Reformation und Musik“ der Lutherdekade füllt diese Veröffentlichung ein Desiderat zur musikalischen Gestaltung der Gottesdienste in der Übergangszeit zur reformatorischen Praxis.
Rainer Goede

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| Noten: |
02.03.2012, 20:06 Uhr |
| Edition Breitkopf 8807, 19,80 EUR |
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Zwar ist Bachs Orgelbüchlein in unzähligen Ausgaben verfügbar, aber in der NA sämtlicher Werke darf es natürlich nicht fehlen. Über den korrigierten Urtext, der in der Reinschrift verfügbar ist, bringt die beigefügte CD-ROM je 4 Frühfassungen und Bearbeitungen. Die Einleitung bringt nun bereits in gewohnter Gründlichkeit wie Übersichtlichkeit Bemerkungen zur Entsehung und Werkgestalt, Anmerkungen zur Stilistik, ein Verzeichnis der ausgeführten und nicht ausgeführten Orgelchoräle in der Reihenfolge des Autographs, und Absätze zur Bestimmung und zur Edition. Einige Faksimiles füllen Seiten, die aus Wendezwecken frei blieben. Der Kommentar beschreibt das Autograph und die Sekundärquellen und führt weitere Abschriften auf. Die Einzelanmerkungen listen die Abweichungen zum Autograph auf. In dieser Kombination von Erläuterungen und Notentext allerdings ist bisher keine Ausgabe erschienen, auch auf den günstige Preis sei noch einmal hingewiesen.
Rainer Goede

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| Noten: |
01.03.2012, 16:57 Uhr |
| Edition Breitkopf 8804, 26,80 EUR |
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Die Neuausgabe (NA) der Bachschen Toccaten und Fugen und Einzelwerke vereint eine ganze Reihe an Vorzügen: zunächst enthält der Band mit BWV 963 und 993 auch Werke, die aus grifftechnischen Gründen ein Pedal verlangen, somit das Orgeloeuvre Bachs ausweiten. Die Einleitung informiert über die Quellenkreise, Werkgeschichte und Überlieferung (über die auch einige Faksimiles unterrichten), über Notation, Spielweise und Verzierungen. Der Kommentar beschreibt die Quellensituation und die verschiedenen Textvarianten. Daneben werden wichtige Varianten vollständig abgedruckt, andere Versionen sowie BWV 591 und 568 sind auf der beiliegenden CD-Rom einseh- und ausdruckbar. Nicht zuletzt der günstige Preis bietet Anreiz zu dieser Ausgabe, die den letzten Stand der Forschungen mitberücksichtigt, was für einen Interpreten heute unverzichtbar ist. Zwar scheint der Notentext im ersten Augenblick keine großen Neuerungen zu bieten, doch sind es einzelne Details, die diese Musik auch anders interpretieren lassen wie spätere Verzierungen, Balkungen und Bögen z.B. in BWV 540 u ä. Der Rezensent empfiehlt diese Ausgabe mit Nachdruck!
Rainer Goede

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| Tonträger: |
27.02.2012, 16:08 Uhr |
| Schütz Gesamteinspielung Vol. 4, CV 83,239, P2012 |
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In Koproduktion mit MDR Figaro wird da ein ehrgeiziges Vorhaben verwirklicht, das sich auch nach etlichen Gesamtaufnahmen der Bach-Kantaten kaum einer vorstellen konnte. Das Oeuvre von Heinrich Schütz ist so umfangreich und vielseitig, bereits den Überblick sich zu verschaffen, bereitet da etliche Arbeit. Mit Rademanns Dresdner Kammerchor ist die Garantie gegeben, dass dieses Vorhaben erfolgreich durchgeführt werden kann. Mittlerweile liegt Vol. 4 mit den Zwölf geistlichen Gesängen für Messe, Vesper und Tischgesängen von 1657 vor, die der Booklettexter Oliver Geisler mit „Gebrauchsmusik“ bezeichnet. Schütz spricht von „in seinen Neben Stunden auffgesetzet“, was nicht deckungsgleich ist. Vielmehr steht Schütz mit diesen Gesängen in einer lebendigen reformatorischen Praxis, die alle gottesdienstliche Gesänge „figuraliter“ fassen wollte. Schütz’ Vorgänger Michael Praetorius hatte dies bereits vollendet praktiziert, nur sind seine Kompositionen in den letzten 150 Jahren sehr stiefmütterlich behandelt worden und damit der Gegenwart wenig präsent. Dass die Ausführung mit einer sehr kleinen Generalbassbesetzung mit Gambe und Orgel mustergültig geraten ist, braucht nicht betont werden. Die enzyklopädische Schütz-Rezeption geht mit dieser CD einen guten Weg.
Rainer Goede

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| Tonträger: |
26.02.2012, 16:55 Uhr |
| cpo 777 527-2, P 2010 |
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Die Einspielung dieser CD aus Wilhelm Friedemann Bachs Gedenkjahr sammelt die wenigen überkommenen Werke Bachs, die Acht Fugen von 1778, sieben Choralvorspiele und drei einzeln überlieferte Fugen, und komplettiert sie durch zwei toccatenartige Klavier-Fantasien in d-Moll und c-Moll, die so recht den ungestümen Geist Wilhelm Friedemann Bachs wiederspiegeln. Friedhelm Flamme spielt diese bekannten aber wenig eingespielten Stücke auf der neuen Hildebrandt-Orgel in Einbeck (2008, II/37). Das respektable Instrument erlaubt zwar eine stilgerechte Wiedergabe, lässt aber doch die Frage offen, ob sich da nicht ein zeitgenössisches Instrument sächsischer Provenienz eher angeboten hätte. Insbesondere in den beiden Fantasien lässt Flamme sein spielerisches Potential glänzen. Der Booklettext von Peter Wollny ist eine gute Einführung, verkennt aber bei den Choralvorspielen die Mutwilligkeit Wilhelm Friedemanns, bei aller Regelrechtigkeit doch gegen den Stachel zu löcken. So manches Mal führt Bachs Regelrechtigkeit hier zu Regelverstößen, die dem Komponisten sichtlich Spaß bereiteten.
Rainer Goede

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| Literatur: |
26.02.2012, 16:32 Uhr |
| Karl Heinz Dettke, Kinoorgeln, Verlag Erwin Bochinsky, Frankfurt 1998, ISBN 3-923639-18-X |
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In seiner Darstellung der noch vorhandenen Kinoorgeln in Deutschland listet Dettke 12 Instrumente in öffentlichen und privaten Institutionen auf. Nach einer Einführung erfahren die Instrumente im Filmkunsttheater Babylon in Berlin und die Funkorgel des Norddeutschen Rundfunks in Hamburg eine breitere Darstellung. Das Berliner Instrument konnte Dagobert Liers bei seiner Restaurierung näher begleiten, zur Geschichte der Hamburger Orgel gehört vor allem auch ein Beitrag zum Leben seines Interpreten Gerhard Gregor von Jürgen Lamke. Die Instrumente der Firmen Welte, Philipps, Wurlitzer, Link u.a. werden in ihrer Historie wie Bauweise durch die verschiedenen Autoren auf je persönlich ansprechende Weise nahe gebracht. Wenige, aber instruktive Abbildungen tun das Ihrige dazu. Wenn auch diese Bestandsaufnahme inzwischen einige Jahre alt ist, das Thema bleibt interessant!
Rainer Goede

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| Tonträger: |
23.02.2012, 21:07 Uhr |
| CD Bach changes..., Historische Transkriptionen, ORG 7239.2, P 2010 |
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Bach und immer mehr führt irgendwann zu diesem schönen Ergebnis von Umschreibungen Bachscher Vorlagen für Barockinstrumente. Als Vorlagen dienen hier die Brandenburgische Konzerte Nr. 1, 2 und 4, die Air, der Canon duplex aus BWV 1087 und je ein Satz aus BWV 51 und 571. Die Vorlagen sind im ersten Moment kaum wiederzuerkennen, das klangliche Ergebnis kommt einem aber doch sofort bekannt vor, klingt toll, ist auch toll gespielt, und lässt doch letztlich Authentizität vermissen. Dafür setzen sich ein Thilo Muster an der Ahrend-Orgel (II/30) von 1985 nach der Glauchauer Silbermann-Orgel in der ehemaligen Jesuitenkirche zu Porrentruy im Kanton Jura/Schweiz, Gawain Glenton, Zink, Daniel Hauptmann, Barockvioline, und Frans Berglund, Zugtrompete. Die gekonnten Bearbeitungen stammen von Eberhard Klotz, der auch den Booklettext zu den Werken schrieb. Natürlich sind derlei „schöpferische“ Bearbeitungen eines Konzertsatzes zu einer Klavier-Triosonate mit Soloinstrument - zu der Kauffmann in seiner Seelenlust von 1733ff die entsprechenden Registrierungen liefert, die Muster leider nicht nutzt - und eines Orchestersatzes zu einer colorierten „Intravolierung“ legal, das zeigen schon die vielen Beispiele in der Geschichte. Der Unterschied zu einer authentischen Komposition aber bleibt und lässt den Hörer etwas ratlos sitzen. Ahrends Silbermann-Kopie ist eine hervorragendes Instrument und lässt dennoch hören, wie weit Silbermann davon entfernt bleibt. Eine hervorragende CD, aber dennoch wäre dem Rezensenten echte Bach- oder andere Barockmusik an der Glauchauer Orgel noch lieber.
Rainer Goede

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