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Rezension

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Noten: 15.11.2006, 11:48 Uhr
Orgeltrios nach Johann Sebastian Bach
Orgeltrios nach Johann Sebastian Bach. Hrsg. Gerhard
Weinberger, Breitkopf & Härtel, EB 8779

Diese Orgeltrios von Johann Sebastian Bachs Schülern und Nacheiferern sind keine Erstausgaben, liegen aber größtenteils erstmals auf dem deutschen Notenmarkt vor. Aus dem vorgelegten Repertoire waren bisher nur Bachs Trio g-Moll BWV (Anhang II) 545b/2 als Mittelsatz von Praeludium und Fuge B-Dur BWV 545b und das Trio Nr. 3 G-Dur BWV (Anhang II) 1027/4a in der Neuen Bach-Ausgabe greifbar. 1992 veröffentlichte Russel Stinson bei A-R Editions, Inc., USA (ISBN 0-89579-269-9) eine viersätzige Triosonate in G-Dur BWV (Anhang II) 1027/1–4a (von dem dritten Satz ist keine zeitgenössische Orgelbearbeitung erhalten, er wurde von Stinson und Weinberger als Rekonstruktion den Ausgaben hinzugefügt), ein Orgel-Trio in h-Moll nach BWV 790 sowie diverse Transkriptionen für Cembalo nach Violinkonzerten deutscher (G. Ph. Telemann) und italienischer Meister (A. Vivaldi und G. Tartini). Die Trios in G-Dur und h-Moll hat Weinberger zusammen mit dem Trio g-Moll in seine Ausgabe übernommen, die im Gegensatz zu den langen und sehr detaillierten Ausführungen von Stinson ein kurzes Vorwort und einen Kritischen Bericht enthält. Das im Querformat wiedergegebene Notenbild ist besser lesbar als das der Stinson-Ausgabe, die den Notentext im Hochformat wiedergibt, deren Notensysteme innerhalb der Akkoladen aber zu weit auseinander gezogen sind. So lohnt sich der Band schon von daher, zumal man dann nicht noch fast 90 Seiten Cembalomusik mit in die Kirche schleppen muss. Die Trios stammen aus dem Schülerkreis des Bach-Bewunderers und Nachahmers Johann Peter Kellner (1705–1772) aus Gräfenroda im Thüringer Wald. Ob, wie Weinberger es zum Ausdruck bringt, Kellner selbst der Bearbeiter ist, ist jedoch eher unwahrscheinlich; es liegt wohl näher, Kellners Schüler Leonhard Frischmuth (um 1700–1764), der ab 1760 in Amsterdam als Musiklehrer und Klaviervirtuose wirkte, als Arrangeur zu vermuten. Er wird auch der Ausgangspunkt der Überlieferung des g-Moll-Trios mit Praeludium und Fuge B-Dur BWV 545b in einer englischen Handschrift sein. Die Einrichtung von Clavier- und Kammermusikwerken J. S. Bachs als Orgeltrios zeigt das Bemühen von technisch gut ausgebildeten Organisten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, geeignete virtuose Vortragsliteratur zu bekommen. So wie heute noch Orgelbearbeitungen Bachscher Kantatenarien als „Schübler-Choräle“ herausgegeben werden, wollte man schon damals mehr Spielstücke in der Art von Bachs Orgeltriosonaten und Choraltrios zur Verfügung haben. Kellner oder/und Frischmuths Bearbeitungen sind äußerst virtuos. Die Anpassung der instrumentalen Bassstimme an die Gegebenheiten einer barocken mitteldeutschen Pedalklaviatur (mit großem Cis) in der G-Dur-Sonate wurde von dem zeitgenössischen Bearbeiter oft nur oberflächlich vorgenommen. Ich selbst habe einige Stellen weiter ausgearbeitet. Die originalen instrumentalen Bearbeitungsvorlagen waren vermutlich Streichtrios, die heute nur in von Bach weiter verbesserten und uminstrumentierten Umarbeitungen vorliegen. Insofern ist davon abzuraten, mechanisch die „fehlenden“ Artikulationzeichen aus den jüngeren Bachschen Instrumentalfassungen aus der Neuen Bach-Ausgabe in die Orgelbearbeitungen einzutragen und noch dazu die jüngeren Verbesserungen einzelner Detail-Lesarten Bachs zu übernehmen. Weinbergers Ausgabe ist sorgfältig gemacht und bietet auf 31 Notenseiten interessantes Repertoire. Ein Band, den Profis besitzen sollten.

Rüdiger Wilhelm

Kategorie: Noten    Autor: wilhelm

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